Die Eurobahn, oder wie man sich wohl als Schwein in einem Viehtransporter fühlt
Der folgende offene Brief ging auch per Einschreiben an die Eurobahn Geschäftsleitung. Sollte ich eine Antwort bekommen, wird diese hier veröffentlicht.
An die Eurobahn
GeschäftsleitungKEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG
Ein offener Brief
Reinhardtstraße 52, 10117 BerlinSehr geehrte Damen und Herren,
da ich mich beruflich oft in den Niederlanden aufhalte bin ich auch des Öfteren Kunde der Eurobahn. So auch heute, am 14.12.2010. Auf meinem Weg von Nijmegen nach Köln musste ich in Venlo umsteigen, in die ERB20233, planmäßige Abfahrt 19:05. Um kurz nach 19:00 kam dann die Durchsage, dass die Bahn nicht führe, und stattdessen ein Ersatzbus fahren würde. Stimmung! Gründe wurden nicht genannt. In der naiven Annahme, dass der Ersatzbus auch um ca. 19:05 abfahren würde, begab ich mich zum Bahnhofsvorplatz. Der Bus kam um ca. 19:30. Alle Fahrgäste durften bis dahin in der Kälte stehen, und hatten keinen Schimmer davon, wann und ob der angekündigte Bus kommen würde. Das holländische Personal war freundlich, aber ratlos.
Fragen:
Warum schaffen Sie es nicht, Ersatzbusse so einzusetzen, dass sie zumindest ungefähr zur gleichen Zeit am Startbahnhof abfahren wie der reguläre Zug?
Sparen Sie so sehr sogar an den Ersatzbussen, dass Sie Ihre Gäste lieber eine halbe Stunde in der Kälte stehen lassen?
Warum sind Sie nicht in der Lage, Ihre Fahrgäste zumindest darüber zu informieren, wann ungefähr der Ersatzbus ankommt? Warum hat weder die holländische Bahn, noch die Deutsche Bahn (habe ich angerufen) Informationen darüber? Haben Ihre Busfahrer keine Handys? Haben sie keinen groben Einsatzplan für solche Vorfälle?
Doch dann ging der Spaß erst richtig los! Der Bus war zu klein, um allen Fahrgästen einen Sitzplatz zu bieten. Es stank in dem Bus, und das Display zeigte keine verwertbare Informationen. Wir fuhren los. Ich erwartete, wieder sehr naiv, dass der Busfahrer jetzt eine Durchsage machen würde, irgendwas sagt, was einem eine Vorstellung davon gibt, wo wir hinfahren, wie lange das ungefähr dauert, und so weiter. Eine Entschuldigung habe ich ja gar nicht erwartet! Aber es kam nichts. Nichts. Der Herr fuhr los, und man durfte rätseln, wo er wohl hinfährt. Da wir netterweise die ersten 20 Minuten im Totalstau standen, wegen einem Fußballspiel in Venlo, habe ich den Busfahrer dann darum gebeten, eine Durchsage zu machen. Daraufhin erwiderte er gereizt, wir seien ja noch nicht mal auf der Autobahn, ich solle mich mal gedulden.
Kennen Sie den Film Falling Down mit Michael Douglas? Den sollten Sie mal sehen, dann können Sie jene Situation ungefähr nachvollziehen.
Es fand also auch auf meine Bitte hin keine Durchsage statt. Gar keine. Später dann (auf der Autobahn!) ließ sich der Fahrer dann tatsächlich dazu herab, zumindest die nächste Haltestelle durchzusagen (Kaldenkirchen, falls da jemand hinwolle, wollte aber keiner). Jetzt wurden auch andere Fahrgäste langsam ungehalten, und forderten den Herrn dazu auf, doch mal endlich mit der Sprache herauszurücken, wo er denn hinfahre. So auf lange Sicht. Und siehe da, er verriet dann das nächste Puzzlestück - die Zielhaltestelle - Viersen! Ich wollte zumindest bis nach Mönchengladbach, um da umzusteigen, aber ich will nicht kleinlich sein. Wie es dann in Viersen mit den Zügen weitergehe, und ob man vorher nochmal halten würde, dass wollte er wieder nicht sagen. Er würde ja immerhin jetzt fahren. Als er im Stau stand wollte er ja auch nichts sagen. Er war halt eigen, der Herr Busfahrer. Er sagte dann auch nur sehr widerwillig, und nach fortgeschritten gereizter Aufforderung weiterer Gäste Ihres Unternehmens, die nächste Haltestelle durch (so langsam bekam man ein Bild der Reise), und die Endstation (Viersen) dann schrie netterweise ein Fahrgast durch den Bus, weil jetzt wollte er nun wirklich nicht mehr, das hätte er ja schon vorher mal gesagt (O-Ton). Wir erreichten dann ca. 20:20 Viersen. Und da durfte man dann sehen, wie man weiterkam. Kein Personal, keine Durchsage, nichts.
By Izvora (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia CommonsFragen:
Warum sind ihre Mitarbeiter dermaßen umfassend sozial inkompetent?
Ist das Ihr Ernst, Busfahrer einzusetzen, die den Fahrgästen das Gefühl geben, sich in einem Viehtransporter zu befinden? Und jetzt kommen Sie mir nicht mit Subunternehmer oder sowas, das interessiert nämlich keinen ihrer Kunden, wirklich gar keinen! Das ist Ihr Ersatzbus, und dafür sind Sie verantwortlich.
Dass Ihre Züge ausfallen ist eine Sache. Dass man eine halbe Stunde in der Kälte warten muss, und nicht informiert wird, schon eine andere. Und dass man dann wie Schweine durch das Land gekarrt wird, eine ganz andere.
Haben Sie überhaupt keinen Anstand und Respekt vor Ihren Kunden?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

Hallo Lars,
mir scheint, im deutsch-holländischen Grenzverkehr setzen deutsche und holländische Verkehrsbetriebe zur Zeit auf kostensparenden Viehtransport; -) Ich durfte als Passagier des ICE124 (23-12-2010) sowie des ICE 129 (28-12-2010) zwischen Emmerich und Utrecht in einen Ersatzzug umsteigen. Ich kam mir auch vor wie ein Schwein im Viehtransporter, obwohl Schweinen noch ein mindestmass an Platz zugestanden wird - Kunden der DB und NS nicht…
groetjes,
Ursula
Comment by Ursula Oberst — December 29, 2010 @ 4:29 pm