Wer regelmäßig Deutsche Bahn fährt beobachtet immer wieder die gleichen Anfängerfehler seiner Mitfahrer(innen). Dazu kommt dann noch eine spezielle Kategorie Bahnfahrer, die einem gehörig auf die Nerven fallen kann. Die folgenden Regeln sollen hier helfen, sie beziehen sich im Besonderen auf den Fernverkehr.
Vor der Fahrt
- Du sollst nicht umsteigen
Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, steige nicht um. Umsteigen ist meistens stressig und klappt oft gar nicht. Suche gezielt nach Direktverbindungen, auch wenn die vielleicht etwas länger dauern oder ein wenig teurer sind. Kein Zittern, ob man den Anschlusszug bekommt, kein Rennen auf fremden Bahnsteigen, es lohnt sich! - Wenn Du doch umsteigst, tu es gemächlich
Die Bahn geht davon aus, dass eine Umsteigezeit von 5 Minuten ausreicht. Wenn ich alleine von meiner eigenen Erfahrung ausgehe, ist das in über der Hälfte aller Fälle nicht ausreichend. Nimm 10 Minuten, mindestens. Dies kann man in der Suche unter "Weitere Optionen" einstellen. Und kenne immer den nächsten Zug, falls Du Deinen Anschluss verpasst. - Du sollst nicht stehen
Reserviere einen Sitzplatz. Züge neigen dazu voll zu sein, gerade ICEs. Reservieren kostet etwas, aber auch hier gilt - es lohnt sich. Gerade mit Gepäck ist es extrem nervig durch einen vollen Zug zu stolpern, und nach einem freien Sitz zu suchen. - Du sollst Deinen Wagen kennen
Es gibt für alle Züge mit möglicher Sitzplatzreservierung am Bahnsteig einen sogenannten Wagenstandanzeiger. Dieser verrät, wo der Wagen, in dem sich Dein reservierter Sitzplatz befindet, ungefähr halten wird. Sich rechtzeitig dorthin zu begeben hat den großen Vorteil, nicht durch den halben Zug laufen zu müssen.
Während der Fahrt
- Du sollst den Gang freihalten
Du kannst Dein Gepäck z.B. auf der Ablege über den Sitzreihen ablegen. Lass den Gang frei, das ist kein Hindernisparcours. Außerdem kommt dann der Snackwagen nicht mehr durch. - Du sollst Deine Rückenlehne unangetastet lassen
Es ist eine Unart, seine Rückenlehne nach hinten zu lehnen. Dies nimmt der Person, die hinter einem sitzt, Platz, und macht so z.B. das Arbeiten am Laptop extrem unangenehm. Eine Ausnahme ist gegeben, wenn hinter Dir keiner sitzt. Wenn Du es nun gar nicht schaffst gerade zu sitzen, dann ist es das Mindeste, die Person hinter Dir darauf aufmerksam zu machen, bevor Du den Sitzt verstellst. So kann sie wenigstens noch ihren Kaffee in Sicherheit bringen. - Du sollst nicht üblen Geruch verbreiten
Dies bezieht sich besonders auf die Nahrungsaufnahme. Alles, was stinkt, geht gar nicht. Döner oder McRibs sind hier nur die Highlights. Generell ist warme Nahrung nicht für den Zug geeignet. Leberwurstbrötchen sind aber auch zu verachten. - Du sollst den Speisewagen nicht als Businesslounge missbrauchen
Es steht auch in der Speisekarte, sogar mit Bildchen - im Speisewagen ist weder Laptop noch Mobiltelefon angebracht. Es ist ein Speisewagen (auch wenn er anders heißt), wer hier ist, will was essen. Wenn Du nichts essen willst, hast Du hier nichts verloren. Wenn Du telefonieren willst, geh raus, wie in jedem anderen Restaurant auch. Wenn Du nur was trinken willst, kannst Du Dich oft gesellig an einen Stehtisch stellen, oder das Getränk mit zum Platz nehmen. - Du sollst das Personal ehren
Es gibt wie überall im Leben auch beim Zugpersonal sehr nette Menschen, und absolute Vollidioten. Hier gilt die goldene Türsteherregel - diskutieren ist zwecklos, und kostet nur Nerven. Gerade Schaffner(innen) sind genug Pöbeleien und Beschwerden ausgesetzt, oft völlig ungerechtfertigt, um sich prinzipiell auf keine Diskussion einzulassen. Ich habe meistens sehr gute Erfahrungen mit Bitten oder Beschwerden gemacht, aber wenn man sich doch mal ungerecht behandelt fühlt oder sich anderweitig beschweren will, sollte man das bei der dafür zuständigen Stelle der Bahn machen, und nicht in der Bahn ausleben. - Du sollst nicht mehr nerven als nötig
Es ist nichts dagegen einzuwenden im Zug zu telefonieren, Filme zu schauen, Spiele zu spielen, sich zu besaufen, etc. Wer Ruhe will sollte einen Platz im Ruhewagen reservieren. Aber mach keine Show daraus, die will nämlich keiner sehen oder auch nur hören. Stell Deinen Klingelton leise. Fühle Dich nicht wichtig, weil Du in Deinem anyway-Kackenglisch-Gequatsche in Dein Telefon brüllst. Rede niemals extra lauter, damit andere mitbekommen, was Du da tolles erzählst.
