Die Deutsche Bahn, das Online-Ticket und miserable technische Lösungen
Kaum ein Unternehmen hinkt so dem Stand der Technik hinterher, wie die Deutsche Bahn, wenn es um Kundenfreundlichkeit geht. Da ich jede Woche mit dem ICE fahre, habe ich ausgiebig Gelegenheit, dies zu beobachten. Ein besonderes Highlight an völlig undurchdachtem Blödsinn ist das Online-Ticket. Erstmal ist es ja schön, dass es so etwas überhaupt gibt und man sich sein Ticket ausdrucken kann. Aber die technische Umsetzung schreit zum Himmel. Zunächst ist ein Online-Ticket nicht übertragbar. Über die Sinnigkeit davon kann man sich streiten, aber damit kann man leben. Man muss sich also für das Online-Ticket identifizieren. Dies ist auch ok, und das naheliegenste Dokument welches dafür geeignet ist, ist ein Ausweis. So handhaben es z.B. diverse Flugunternehmen. Aber nicht die Bahn, die macht das anders und sie macht es völlig unverständlich dumm und kompliziert. Man identifiziert sich nicht mit einem Ausweis, sondern entweder mit einer BahnCard, einer Kreditkarte, oder einer ec-Karte. Wer ihnen diese technische Unlösung aufgeschwatzt hat, ist mir leider unbekannt. Zusammen mit dem 2D-Barcode auf dem Online-Ticket kann der Schaffner dann erkennen, ob man auch berechtigt ist, mit dem Ticket zu fahren. Mit Identifikation hat das alles nichts wirklich zu tun, es geht hier lediglich um eine dumme technische Lösung.
Besonders augenscheinlich und ärgerlich wird das Ganze, wenn man die angegebene Karte zur "Identifikation" nicht dabei hat. Es hilft dann gar nichts, ein echtes Dokument wie einen Ausweis dabei zu haben. Das Online Ticket wird nicht anerkannt, und man darf bestenfalls einen komplett neuen Fahrschein nachlösen. Zusammengefasst: Man kann belegen, dass man ein Ticket gekauft hat und man kann belegen, dass man derjenige ist, für den das Ticket ausgestellt wurde, man darf aber trotzdem nicht mit dem Ticket fahren. So einen Schwachsinn kann sich wirklich nur die Deutsche Bahn ausdenken!
Mir ist Letzteres passiert, da ich meine Kreditkarte verloren hatte, die ich zur Identifikation angegeben hatte. Auch eine lange Diskussion mit dem Schaffner und ein Anruf desselben bei irgendeiner Zentrale halfen nichts, ich musste nachlösen. Natürlich habe ich mich beschwert: Unter der Nummer 0180 5 99 66 33. Ein Tipp: Bereits unmittelbar nach der Begrüßung und dem danach folgenden Hinweis zur Sicherung der Servicequalität kann man das Stichwort "Fernverkehr" nennen. Das automatische Sprachdialogsystem verbindet einen dann direkt mit dem Kundendialog. Man sagte mir überraschenderweise zu, die Kosten der nachgelösten Tickets zu erstatten, wenn ich diese einschicke. Gesagt, getan. Nut leider hat man mir ein "Erstattungsentgelt" von 15,00 EUR abgezogen. Ich finde das alles ziemlich unfassbar kundenfeindlich. Man kann nur hoffen, dass der designierte Bahn-Chef Grube diesen Laden mal ordentlich aufräumt und hier auf Standards aufholt, die z.B. in Flugunternehmen schon seit Jahren üblich sind.
Update (15.12.2009):
Unglaublich aber wahr, die Bahn hat gelernt! Auszug aus einer Email von heute:
Ab sofort können Sie beispielsweise auch den Personalausweis als Identifizierungskarte für das Online-Ticket nutzen, […]
Bei aller Kritik gibt es also doch auch Gutes zu berichten.
